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Was ist lösungsfokussiertes Coaching?

 

Lösungsfokussierung bedeutet, die "positiven Unterschiede" zu erkennen und zu verstärken. Also das, was jetzt bereits besser funktioniert und passt und von dem gewünscht wird, es möge in Zukunft in noch stärkerem Maße so sein.

Entwickelt wurde dieser Ansatz von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg im 1978 gegründeten Brief Family Therapy Center (BFTC) in Milwaukee/Wisconsin gemeinsam mit Elam Nunnally, Eve Lipchik, Michele Weiner-Davis, Alex Molnar und Wallace Gingerich.

Inspiriert wurde dieser Ansatz aus den Sprachspielen Ludwig Wittgensteins, aus der Hypnosetherapie nach Milton H. Erickson,[2] sowie aus dem Konstruktivismus bzw. aus der Palo-Alto-Gruppe

Gestützt wird diese Therapieform durch aktuelle Forschungsergebnisse der Hirnforschung,[3] insbesondere dem Konzept der Neuroplastizität: Diese besagt, dass das Gehirn seine Struktur und seine damit zusammenhängende Funktion laufend verändert, der gemachten Erfahrung anpasst. So besteht Lernen in der Verstärkung synaptischer Verbindungen zwischen Neuronen.[4]

Das zentral und radikal "Neue" am "Lösungsfokussierten Ansatz" ist das Bekenntnis zur "Einfachheit" ("Simplicity"): Um in komplexen Situationen und Systemen erfolgreich zu sein, ist es nicht immer hilfreich, sie modellieren und verstehen zu wollen – hilfreicher ist es oft, unvoreingenommen zu beobachten, was alles wie gewünscht funktioniert, um in kleinen Schritten mehr davon zu tun.

Über die Wirksamkeit des lösungsfokussierten Kurzzeitkonzepts liegen mittlerweile mehrere Meta-Studien vor:

Wallace J. Gingerich und Lance T. Peterson kommen zum Schluss, dass die vorliegenden Studien einen starken Beleg für die lösungsfokussierte Therapie als effektive Behandlungsmethode für eine große Vielzahl von Verhaltens- und psychologischen Problemen darstellt, wobei sie zusätzlich kürzer und daher weniger kostspielig sein kann als alternative Ansätze.

 

Lösungsfokussierung behauptet: 

  1. positive Veränderungen von komplexen Situationen geschehen in kleinen Schritten;
  2. wenig Information genügt für die Wahl der nächsten Schritte;
  3. "Was macht jetzt schon den Unterschied zwischen besser/schlechter aus?" entscheidet und nicht "wie ist es - wie kam es dazu?";
  4. das konkrete Handeln in kleinen Schritten verdrängt das "theoretisch umfassend Verstehenwollen";
  5. Unterstellung: Alle Beteiligten sind interessiert an positiven Veränderungen.

 

Die drei Grundprinzipien der Lösungsfokussierung:

  1. "Repariere nicht, was nicht kaputt ist!"
  2. "Finde heraus, was gut funktioniert und passt - und tu mehr davon!"
  3. "Wenn etwas trotz vieler Anstrengungen nicht gut genug funktioniert und passt - dann höre damit auf und versuche etwas anderes!"

Die sechs Merksätze der lösungsfokussierten Einfachheit ("Simplicity"):

  1. Lösungen statt Probleme: "Nicht das Problemverständnis vertiefen, sondern erkunden, wie es ist, wenn es besser ist".
  2. Interaktion statt isolierter Individualität: "Unser Verhalten entwickelt sich in der Interaktion mit anderen. In der Lösungsfokussierten Arbeit wird nicht über Meinungen, Glaubenssätze oder Werte diskutiert, sondern über beobachtbares Handeln".
  3. Beachte und nutze das, was da ist - nicht das Fehlende: "Nicht die Lücke zwischen 'Ist' und 'Soll' ermitteln, sondern das, was - wenn auch nur selten - heute bereits etwas besser ist".
  4. Die Chancen im Gestern, Heute und Morgen sehen: "Chancen in der Zukunft und im Heute zu überlegen, ist ein vertrauter Gedanke. Eher unüblich ist es, auch im 'Gestern' bewusst das zu erkunden, was sich früher bereits als Chance zeigte - um auch das zu nutzen".
  5. Einfache Sprache: "Statt langer, komplizierter, abstrakter und beeindruckend klingender Worte einfache Alltagsworte benutzen".
  6. Jede Situation als speziell sehen - keine schlecht passende allgemeine Theorie darüber stülpen: "Offen und neugierig sich jedes Mal von neuem positiv überraschen lassen".

 

Quelle: Wikipedia.com